Vorbemerkung:

Die vorliegende Zusammenstellung speist sich hauptsächlich aus Quellen und Arbeiten der Steeler Heimatforscher Wilhelm Grevel, Anton Lehnhäuser, Fritz W. Deger und Manfred Hensing.

Bitte beachten Sie auch die ausgewählte Literatur am Ende.

Diese Chronik wird ständig erweitert, regelmäßiges Anschauen lohnt sich also. Kritik und Anregungen sind  hier Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. willkommen!

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Die Steeler Chronik (Stand Januar 2012)

5./6. Jahrhundert

Der Name „Steele” stammt wahrscheinlich von den Ripuarern, die damals neben anderen germanischen Stämmen hier siedelten und in deren Sprache „stehal” soviel wie „abschüssig, steil” bedeutet.

840

Der Oberhof Eickenscheidt, zu dem Steele damals gehörte, wird erstmals urkundlich erwähnt.

850

Gründung des Hochstifts Essen als Bildungsstätte für die Töchter des sächsischen Adels. Eickenscheidt war einer der Haupthöfe des Stiftes für die Güterverwaltung der Abtei. An ihn hatten die Höfe im Steeler Raum den Zehnten zu entrichten.

870

Bischof Alfrid bestätigt in einer Urkunde vom 27. September die bereits bestehende Stiftung des Damenkapitels.

938

Der Ort Steele begegnet uns in diesem Jahre im Zusammenhang mit einem Hoftag, einer Versammlung der weltlichen und kirchlichen Würdenträger, zu dem der junge König Otto I., der später „der Große” genannt wird, eingeladen hat. Bei der Zusammenkunft geht es um zwei wichtige Dinge: den Kampf der Herzöge gegen die Reichsgewalt sowie darum, ob die Enkel nach dem Tode ihrer Väter gleichberechtigt mit noch lebenden Söhnen ihren Großeltern gegenüber erbberechtigt sind. Die letztere Frage wird nach damaliger Anschauung durch Gottesurteil, durch Zweikampf, entschieden. Die Partei, die für das Erbrecht der Enkel eintritt, siegt.

955

Auf dem Kirchberg der Bauerschaft (lateinisch villa) Steele ist eine Kirche mit ringförmigem Häuserumgang bekannt.

Mit dem Gebiet der späteren Bauerschaften Eiberg, Freisenbruch und Horst gehört Steele zum Stift Essen.

1047

In einem Verzeichnis des Klosters zu Werden wird die Bauerschaft Freisenbruch erwähnt. Durch sie verläuft der Hellweg.

1073-1085

Erste gesicherte urkundliche Erwähnungen von kirchlichen Einrichtungen in Steele liegen vor aus der Zeit der Äbtissin Schwanhild (1073-1085). In der Stiftung der Äbtissin wird ein Pleban, ein Priester, in Steele genannt. Schließlich wird in dem Einkünfteverzeichnis der Erzdiözese Köln, das die Verhältnisse um 1300 wiedergibt, in Steele ein Rektor mit einem Vikar aufgeführt. Die Laurentiusgemeinde Steele betrachtet das Jahr 1314 als Gründungsjahr.

um 1150

Im Werdener Urbar wird Eiberg erstmals erwähnt mit den Höfen Otmarius und Liutbertus (beide heute Hof Hinderfeld) sowie Verderke (heute Spelberghof, Integrative Reitanlage des Franz-Sales-Hauses).

1166

Die Bauerschaften „Wenengeren“ (Niederwenigern), „Dalehusen“ (Dahlhausen), „Oiberge“ (Eiberg) und „Mikelenbeke“ (Mecklenbeck) werden im Zusammenhang mit einem Zehntabgabestreit genannt, den der Erzbischof von Köln, Reinald, schlichtet. In der auf den 19.02.1166 datierten Urkunde steht, dass die Zinsleistungen an das Stift St. Mariengraden zu Köln „in villa Aldendorpe“ (im Ort Altendorf, jetzt Burgaltendorf) zu entrichten seien.

1226

Verlust der sogenannten märkischen Gemeinden (Steeler Berg, Freisenbruch, Horst und Eiberg) durch gewaltsame Abtrennung in den Wirren nach der Ermordung des Erzbischofs Engelbert von Köln und der Hinrichtung des Grafen Friedrich von Isenburg. Dadurch wird das alte Steeler Territorium zerschlagen. Die neue Ostgrenze des Stiftes Essen verläuft am Mühlenbach in Steele. Im Frieden von 1243 wird das Gebiet offiziell Graf Adolf I. von der Mark zugesprochen und wird damit westfälisch. 1368 wird die Mark mit Kleve, 1521 auch mit Jülich-Berg-Ravensburg durch Personalunion verbunden. 1609 stirbt das Herzoghaus aus; die Länder Kleve und Mark fallen 1614 an Brandenburg, später Preußen.

1247

Abkommen zwischen dem Abt von Korvey und dem Grafen Dietrich von Neu-Limburg wegen des Geleites der Weinfuhren über Steele nach Korvey. Die dritte Haltestelle dieser Reise ist der Vietingshof in Steele.

1313

Unter der Äbtissin Katharina von der Mark (1336-1360) werden die Parochialkirchen zu Steele und Borbeck von Essen abgetrennt.

1314

Steele wird ein eigener Pfarrbezirk. - Aus einer Urkunde (im Staatsarchiv Düsseldorf) geht hervor, dass ein Gerhard Schatzmeister an der Kirche St. Lambertus in Köln auf seine Stelle als Rektor und Pastor in Steele Verzicht leistet. Die Laurentiusgemeinde Steele betrachtet das Jahr 1314 als Gründungsjahr.

1317

Eine Urkunde aus diesem Jahre weist aus, dass Essener Kapuzinermönche von der Ortschaft Steele jährlich eine Karre Kohle erhalten.

1318

Fürstin Anna Salome legt Weinberge bei Steele an.
 

1332

Im Essener Kettenbuch (liber catenatus) wird unter anderem der Oberhof Eickenscheidt (Zehnthof) mit seinen Unterhöfen in der Steeler Bauerschaft genannt. Das Kettenbuch wird so bezeichnet, weil es wegen seiner Bedeutung und seines Wertes an einer 1 ½ Meter langen Kette befestigt war. Es befindet sich heute im Münsterarchiv.

1338

Verordnung der Äbtissin, dass wegen der allgemeinen Unsicherheit die Waffen auf den Höfen bleiben und nicht mehr nach dem Tode an die Kanzlei abgegeben werden sollen.

1378

Aus einer Urkunde über Grenzschwierigkeiten zwischen Steele und dem Stift Rellinghausen ist zu entnehmen, dass sich das Stiftsgebiet an der Ruhr aufwärts bis nach Horst Eiberg erstreckt und die Steeler nur mit besonderer Erlaubnis an die Ruhr können. Das führt hat zu vielen Grenzstreitigkeiten.

1418

Die „Spillenborgmühl“ wird von der Äbtissin Margaretha von der Marck (1418-1425) gebaut. Eine urkundlich ausgewiesene Bezeichnung lautet: „Spillenburghs Mühl bei Steel“.

  

1467

Errichtung einer Schmiedegilde durch die Äbtissin Sophia von Gleichen (1459-1489).

1492

Stiftung eines Hospitals für Arme und Kranke durch den Pfarrer Tengenagel. Später wird das Hospital ausschließlich Krankenhaus.

1493

In Steele wird erstmals ein Bürgermeister gewählt.

1530

Die Pest wütet in Steele, das 525 Einwohner hat. – In dem Verzeichnis der Höfe zur Regaliensteuer werden außer Holbeck, im Steine und Pennekamp noch 105 Häuser aufgeführt.

1542

In der sogenannten „Türkenliste“ werden als „Kötter von Steele“ die Familien Krukar, Ruhrbrauck (Ruhrbruch), Saetmann, Bobbel, vor dem Scheer, Henrich Budde, Snauel, Bert Berken, Hinrich Obermann, Hensinck und Alef in den Pinxten aufgeführt. Diese Familien sind als Urzellen der späteren Gemeinde Steeler Berg (Königssteele) anzusehen.

1547

Der Ort Steele wird in vier Bauerschaften eingeteilt. Verträge über Bau und Verpachtung der Tore werden abgeschlossen.

1548

Großfeuer in Steele, bei dem viele Teile des Ortes abgebrannt sind. In der Chronik lesen wir: „In düssem Jahr an Misericordia Domini, dem 17. Aprilis, ist das Städtchen „op der Ruir Steil“ gebrand, 50 Fuyrstede, herkommen von einem Schmide, den ein Funken Fuyers op der Balken sprang und entfangend“.

1549

Nach dem „Steeler Bürgerbuch“ haben sich die Bürger Satzungen gegeben, die dann im Jahre 1578 von der Äbtissin bestätigt werden.

1549

Ein Jahr nach der großen Feuersbrunst wird eine Feuerordnung erlassen, die dazu beigetragen hat, dass der Ort von größeren Bränden verschont blieb.

1554

In einer Urkunde im Pfarrarchiv wird erstmals die Reformation erwähnt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts deutet ein mehrfacher Wechsel zwischen katholischen und lutherischen Pfarrern auf die Heftigkeit der Auseinandersetzungen hin. Die entscheidende Wendung zugunsten des Katholizismus bringen zwischen 1620 und 1628 die gegenreformatorischen Maßnahmen der Fürstäbtissin Maria Klara von Spaur. 1620 ist in Steele wieder ein katholischer Pfarrer nachweisbar, die Lutheraner können jedoch bis 1628 den Mitgebrauch der Kirche durchsetzen.

1563

Steele erhält ein Privileg zur Abhaltung der Mai- und Herbstkirmes.

1578

Die Fürstäbtissin Elsabeth von Manderscheid-Blankenheim-Gerolstein bestätigt die Privilegien des Fleckens (oppidum) Steele und verleiht ihm ein Siegel mit drei Ringen, dem Zunftzeichen der Schmiedegilde. Die drei Ringe erinnern an die Goldschmiedetätigkeit des Heiligen Eligius, Schutzpatrons der Schmiede, und symbolisieren den unlösbaren Zusammenhalt der in der Gilde vereinigten Huf-, Nagel- und Rinkschmiede (Rink oder Rinck bedeutet „Schnalle, Spange”, als Rinkenschmiede wurden die Verfertiger von starken eisernen Ketten für die Fuhrleute und die Eisenbestandteile für das Pferdegeschirr bezeichnet). Dazu gehören auch die Schlosser, Büchsen- und Goldschmiede sowie die Uhrmacher. Mit der Verleihung des Siegels ist keine Aufwertung im Sinne städtischer Freiheiten verbunden. Das Siegel trägt die lateinische Umschrift „SIGILLVM OPPIDI STELENSIS”. Steele eine Stadt (civitas) zu nennen, wird tunlichst vermieden, da die Fürstinnen bereits genug Ärger und Verdruss mit der Stadt Essen haben.

1580

Im Städtebuch von Bruyn und Hugenberg wird Steele mit seinen ertragreichen Kohlengruben erwähnt.

1588

In einer Übereinkunft des Kirchenvorstandes mit den Erben des Vikars Bussmann ist erstmalig von einer Schule die Rede.

1590

Steele wird im spanisch-niederländischen Krieg wiederholt von spanischen Truppen erstürmt und geplündert. Schwere Zeiten brechen über den Ort herein. Das Graffwegstor muss neu aufgebaut werden.

1612

Die märkischen Gemeinden kommen im Erbgang an das Kurfürstentum Brandenburg.

1618

Die Äbtissin Maria Clara fördert durch zahlreiche Privilegien die Errichtung einer Büchsenfabrikation in Steele. Als Gütezeichen schlagen die Steeler Schmiede drei in einander verschlungene Ringe, wie im Steeler Wappen, in die Läufe ein. Die Gewehre werden zumeist auf Wagen oder Pferderücken zu den Rheinhäfen transportiert und von dort verschifft. Abnehmer sind vor allem Spanien und die Niederlande, Russland, Polen, Dänemark und Brandenburg. Da auf jede ausgeführte Büchse eine Abgabe (Akzise) zu entrichten ist, sind die Einnahmen aus diesem blühenden Gewerbezweig beträchtlich.

1623

Das Pastorat brennt ab.

1624

Steeler Schützen stürmen Rellinghausen; es gibt drei Tote und Verwundete. Rellinghauser Bürger werden in das Diebesloch in Steele gesteckt.

1626

Steele wird in zehn Rotten eingeteilt. – Die Fürstin erneuert die Privilegien und genehmigt die Abhaltung des Samstagwochenmarktes.

1634

An der Pest sterben in Steele 113 Personen, meist Kinder.

1635

Verhandlungen zwischen drei Konfessionen wegen Benutzung der Kirche für den Gottesdienst. Der Pastor muss die Lutherischen und Reformierten in der Kirche dulden.

1636

In dem ersten Verwaltungsbericht der Stadt werden unsagbare Nöte geschildert. In den 30er und 40er Jahren bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) verwüsten viele Kriegsvölker das Stiftsgebiet, wodurch die Stadt in große Schulden gerät.

1642

Nach dem Schatzungsregister wird die Stadt in fünf Nachbarschaften eingeteilt und zwar: 1. die Grindporther mit 12, 2. die Kirchhoffer mit 11, 3. die Hagen- oder Pennekamps mit 16, 4. die Steinweger- oder Knopsporthen mit 8 und die Aastratter mit 11 Familien. Das Schatzungsregister weist 147 Steuerpflichtige aus.

1644

Viele Bewohner verlassen ihre Häuser wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen.

1654

Erstmalig hört man von einem Schützenfest auf der „Vogelrode“, wozu die Stadt die Kette gestiftet hat.

1655

Die fürstliche Residenz und die Kanzlei werden von Essen nach Steele verlegt. Verschiedene Urkunden tragen den Vermerk: „in unserer Stadt Steel“. – Der Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Häuser wird von der Kanzel herab befohlen. Die Landtage des Stiftes Essen finden in Steele statt.

1663

Steele wird ein Privileg zur Gründung einer „Gewandt- und Wullenweber-Zunft“ erteilt.

1663/64

An der Lochterpforte wird ein neues Pastorat gebaut.

1674

Steele wird in zehn Rotten, später in Sektionen eingeteilt.

1688

Die Einwohnerzahl Steeles beträgt 700.

1691

Die Stiftskanzlei wird nach Steele verlegt.

1695

Den Lutherischen wird eine eigene Kirche und eine eigene Schule am Steeler Berg erlaubt.

1697

Mit diesem Jahr beginnt das Kirchenarchiv der evangelischen Gemeinde zu Königssteele.

Vikar Hertiger stiftet eine Schule, die 1854 in eine Lateinschule umgewandelt und Vorläuferin des heutigen Carl-Humann-Gymnasiums wird.

1699

Die Äbtissin Bernhardine Sophia erbaut in der Nähe des Pastorats das Schloss „Op de Locht“ (Auf der Luft, in luftiger Höhe) und residiert bis 1707 hier. Sie erweitert die städtischen Privilegien und erneuert die Statuten für die Gewandt- und Wollweberei.

1723

In Königssteele wird eine Glashütte errichtet. 1727 wird sie als „Königliche Glas-Manufaktur“ durch den König privilegiert. Nach wechselvollem Schicksal im Anfang des 19. Jahrhunderts gerät die „Steeler Hütte“ in den Besitz von F. Ign. Wisthoff.

1751

Errichtung einer Schusterzunft in Steele.

1756

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) werden der Stadt neue Wunden geschlagen. Viele Häuser stehen leer.

1764

Äbtissin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach (1726-1776) errichtet das Waisenhaus für „Kinder von braven katholischen Eltern” in Steele, dessen Barockfassade noch heute das Stadtbild prägt. Es wird für 30 Kinder (je 15 Mädchen und Jungen) errichtet und gilt damals als eines der besteingerichteten Waisenhäuser. Von Anfang an erfolgt die Abhaltung eines regelmäßigen Schulunterrichts durch zwei qualifizierte Lehrpersonen. Außerdem wird für eine Ausbildung und eine Aussteuer gesorgt. - Im Westflügel des neuen, repräsentativen Gebäudes setzt sich die fürstliche Tradition in Steele fort. Dieser Teil dient der Äbtissin als Residenz. Fürstin Franziska Christine wird in der Kapelle bestattet, und das Waisenhaus erbt ihr beträchtliches Privatvermögen. – 1775 wird die Stiftungsurkunde für die Franziska-Christine-Stiftung ausgestellt. Die Stiftung besteht noch heute, und mit ihr hat auch der prächtige Barockbau, der immer noch diesem Zweck und als Seniorenheim dient, die Stürme der Zeit – insbesondere auch die Säkularisation - unbeschadet überstanden.

1775

Franz Dinnendahl wird am 20.8. auf der Horster Mühle geboren. Er baut 1803 die erste Dampfmaschine für den Grubenbetrieb im Ruhrgebiet. Er stirbt am 15.8.1826.

1780

Durch die Schiffbarmachung der Ruhr erhält der Flusslauf auch bei Steele ein ganz neues Gesicht. Längs des Ufers erlebt der Bergbau einen Aufschwung. Einem Steeler Bürger, dem Glasfabrikanten Hünninghausen, gebührt das Verdienst, sich schon 1754 tatkräftig für die Schifffahrt auf der Ruhr eingesetzt zu haben. 1890 wird die Ruhrschifffahrt eingestellt; durch den Ausbau von Eisenbahnlinien wurde sie unrentabel.

1787

Minister von Heintz legt die Wegrichtung der neuen Landstraße von Essen nach Bochum über Steele fest, die 1794 fertig gestellt wird. Die Benutzer der Chaussee müssen Wegegeld entrichten.

1789

Im Oktober wird als erste Postanstalt in Steele das „Postwärteramt“ eingerichtet. Erster Postwärter ist Johann Jakob Nottebaum.

1790

Steele erhält von der Fürstäbtissin neue Ortsstatuten.

1794

Die Landstraße von Essen über Steele nach Bochum wird fertig gestellt.

Die Kunstschätze der Essener Münsterkirche werden vor anrückenden französischen Truppen in das Steeler Waisenhaus verlagert. Als größte Kostbarkeit befindet sich darunter der große Goldschrein für die Gebeine des heiligen Marsus. Die Goldplatten werden vom Holzgehäuse abgerissen, dabei stark beschädigt und schließlich eingeschmolzen. – Preußische Truppen rücken ein.

1795

Im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) gegen das revolutionäre Frankreich und Napoleon I muss Steele sich an den Verpflegungskosten für die Truppen beteiligen.

In der Stadt Steele leben 1.214 Einwohner (260 Männer, 298 Frauen, 568 Kinder, 35 Knechte, 53 Mägde) in 298 Haushalten.

1797

In das Waisenhaus wird das Damenstift Thorn verlagert.

1798

Für Familienfestlichkeiten wie Hochzeiten und Kindertaufen müssen Lustbarkeitssteuern entrichtet werden. Auch für den Erwerb des Bürgerrechts werden Gebühren erhoben.

1799

Am 4. März kommen der fürstliche Hofrat Brockhoff zu Essen und sein Sekretär Devens bei der Fürstin mit einem Gesuch ein, in Steele eine Baumwollspinnerei zu gründen; sie erhalten ein Privileg für 12 Jahre, in denen es anderen verboten ist, im Hochstift eine ähnliche Spinnerei anzulegen. Steigende Baumwollpreise und immer höhere Abgaben führten zum Erliegen eines hoffnungsvoll begonnenen Gewerbezweiges.

1802

Auflösung des Stiftes Essen als Folge der Napoleonischen Kriege. Steele kommt mit seinen 1.210 Einwohnern zu Preußen. Dies wird ein Jahr später im Reichsdeputationshauptschluss bestätigt.

1803

Franz Dinnendahl baut die erste Dampfmaschine im Ruhrtal.
   

1806

Steele wird in das Großherzogtum Berg eingegliedert, das dem unter französischem Protektorat stehenden Rheinbund angehört.

1809

Steele wird Munizipalitätsbezirk, zu dem auch Rellinghausen, Bergerhausen, Heide, Hinsel und Holthausen gehören. Als Munizipalität wird eine administrative Gemeindestruktur bezeichnet, die auch außerhalb von Frankreich in den unter Napoléon Bonaparte französisch besetzten Gebieten Deutschlands eingeführt wurde.

1810

Das französische bürgerliche Gesetzbuch tritt in Kraft und löst das allgemeine preußische Landrecht ab.

In Steele gibt es zwanzig Bierbrauereien und achtzehn Kornbrennereien bei einer Einwohnerzahl von 1.450 Personen.

1813

Im Regierungsbezirk der Provinz Kleve-Berg wird der Kreis Essen gebildet und mit ihm die neue Bürgermeisterei Steele.

1814

Das allgemeine Landrecht wird eingeführt. – Handel und Gewerbe liegen still, in Steele arbeiten nur noch Strumpfwirker.

1815

Bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress kommt Steele endgültig zu Preußen und gehört als Bürgermeisterei zum Landkreis Essen, Regierungsbezirk Düsseldorf, Provinz Niederrhein. Königssteele, Freisenbruch und Eiberg gehören zum Amt Wattenscheid, Kreis Bochum. Burg Horst mit der Bauerschaft Beule zum Amt Winz-Hattingen, Kreis Bochum.

1816

Steele hat 2.575 Einwohner.

1825

Steeler Bauern kaufen sich von der Zinspflicht frei.

1830

Die Deilbachtalbahn (Deilthaler Eisenbahn) wird als erste deutsche Pferde-Eisenbahn in Betrieb genommen. Sie führt von der Zeche Himmelsfürster Erbstollen in Holthausen am Fuße des Deipenbecktals über Kupferdreh durch das Deilbachtal bis zum Nierenhof in Bonsfeld. Die Bahn soll den Absatz der Ruhrkohle ins Wuppertal und ins Bergische Land fördern. Ab Bonsfeld erfolgt der Weitertransport auf Pferdewagen.

Die Bahn erregt ein solches Aufsehen, dass der damalige Generalgouverneur von Rheinland-Westfalen, Prinz Wilhelm, der jüngste Bruder des Königs Friedrich-Wilhelm III., 1831 mit seiner Familie, zahlreichen Honoratioren und Blasmusik in einem Sonderzug von dreißig Hunden durchs Deilbachtal hinab und an der Ruhr entlang zur Zeche fährt. Dies Ereignis führt zum Namen Prinz-Wilhelm-Bahn. Ab 1844 wird die Bahn umgebaut und ab 1847 mit Dampf betrieben, bis nach „Steele gegenüber” und Vohwinkel verlängert und für den Personenverkehr freigegeben. Seitdem wird sie auch als Steele-Vohwinkler Eisenbahn bezeichnet.

1836

Der Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisende Hermann Fürst zu Pückler-Muskau (1785-1871) schreibt in seinem Buch Briefe eines Verstorbenen: „Die Gegenden, durch welche mich mein Weg führte, gehörten einer anmutigen und sanften Natur an, besonders bei Stehlen an der Ruhr, ein Ort, für den gemacht, der sich vom Getümmel des Lebens in heitre Einsamkeit zurückzuziehen wünscht….”

1839

Carl Humann, der Entdecker der Pergamon-Kunstschätze, wird am 4. Januar in Steele geboren. Gestorben ist er am 12.4.1896. Die Stadt ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. Das Steeler Gymnasium trägt seit 1935 seinen Namen. Auch die Humannstraße wurde nach ihm benannt. Auf einer kleinen Grünfläche am Kaiser-Otto-Platz, unweit vom ehemaligen Standort seines Geburtshauses, steht seine Büste.
 

1844

Im Zuge der von Preußen eingeleiteten Gemeindeneuordnungen erhält die Bauerschaft Beule den neuen Namen Horst/Ruhr (in Anlehnung an den Namen der Burg). Horst, Eiberg, Freisenbruch und Königssteele werden selbstständige Landgemeinden im Kreis Bochum, später Hattingen.

1848

In Steele wird ein Revolutionskomitee gegründet, dessen Leitung Vikar Ingelbach hat.

Johann Eickhoff, der Besitzer einer Eisenhütte an der Steeler Fähre, erfindet die Schrämmaschine, die später in Amerika vervollkommnet und nach der Jahrhundertwende auch in den Bergwerken des Ruhrgebiets eingesetzt wird.

1850

Steele hat 2.400 Einwohner.

1854

Die Schächte Eintracht und Deimelsberg werden abgeteuft.

1856/57

Der Berg- und Hütten-Aktien-Verein Neu-Schottland in Horst errichtet an der Ruhr Puddelöfen zur Schienenherstellung. Im Jahre 1860 wird dabei ein Schmelzwerk mit zwei Hochöfen als „Freisenbrucher Hütte“ erbaut, 1870 das Martinstahlwerk „Union“-Horst, 1885 in dem mittlerweile wieder aufgegebenen Stahlwerksbau eine Schraubenfabrik.

 

1858

In Steele wohnen 2.900 Menschen. Das Amt Königssteele zählt 1.848 Einwohner.

1862

Am 1. März wird von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft die Strecke Bochum – Steele - Essen – Mülheim (Ruhr) - Oberhausen dem Betrieb übergeben. Steele erhält damit den ersten Eisenbahnanschluss an den Rhein. Die Eisenbahnlinie ist außerordentlich wirtschaftlich für die Steeler Zechen; auch auf die postalischen Verhältnisse wirkt sie sich positiv aus.

Die Essener Zeitung meldet aus Steele: „Seit einigen Tagen leuchtet der riesige Hochofen von Neu-Schottland in das Dunkel, dass der bewölkte Himmel ein ziemliches Stück geröthet ist.“

1863

Die Bergisch-Märkische Eisenbahn übernimmt die Prinz-Wilhelm-Eisenbahn und verbindet am 1. Juni beide Strecken über eine neue Ruhrbrücke bei Steele. Damit wird der Bahnanschluss nach Wuppertal geschaffen. Außerdem eröffnet sie am 21. September eine neue Verbindung nach Dahlhausen. Der entstandene Knotenbahnhof hat im Laufe der Zeit verschiedene Namen: Königssteele, Steele Nord, Steele Hbf, Essen-Steele, heute Essen-Steele Ost.

1864

Gründung der Steeler Sparkasse. Bis 1900 wachsen ihre Einlagen auf 14 Millionen Mark an.

1866

An der Cholera-Seuche sterben mehr als 200 Steeler Bürger. Um sich vor der Ansteckung zu schützen, werden Teerfeuer zur Reinigung der Luft entzündet. Erst nach dem Krieg 1870/71 stehen die Mittel für Isolierhäuser zur Verfügung, die um 1873 am Laurentiusweg als Vorsorge für eventuelle neue Epidemien erbaut werden.

1868

Steele zählt 4.508 Einwohner.

Zum Betrieb eines Solbades wird eine Aktiengesellschaft gegründet. Ärzte empfehlen das Heilbad Steele als wirksam gegen Gicht und Rheumatismus. 1887 wird es aufgegeben.

1869

Fortführung der Eisenbahnstrecke Steele - Dahlhausen nach Hattingen/Ruhr.

Das Laurentius-Hospital, in dem sich heute ein Altenheim befindet, wird als reichverziertes neogotisches Gebäude errichtet und von dem Architekten Johannes Schirner seiner Bestimmung übergeben.

Die Gewerbesteuerrolle weist 33 Kaufleute und Fabrikanten, 74 Kleinhändler, 42 Wirte und Kleinhändler mit Getränken, 16 Bäcker, 10 Metzger, 9 Brauer, 41 steuerpflichtige Handwerker, 4 Mühlenbesitzer und 9 Hausierer auf.

Stadtverordnete sind: Wilhelm vom Kolke gen. Thiemann, Fr. Humann, E. Klumbeck, Fr. Klumbeck, H. Küper, J. Rindskopf, W. Grevel, J. Boismard, W. Scheidtmann, Ad. vom Kolke, Th. Ruhrmann, Fr. Schönscheidt. Beigeordnete: W. Grevel und J. Boismard. Das Vermögen der Stadt beträgt rund 32.000 Taler, dem ca. 30.000 Mark Schulden gegenüber stehen.

1872

18.6. bis 28.7. Bergarbeiterstreik.

Am 14. November erfolgt die Einweihung der evangelischen Friedenskirche in Königssteele. Der Grundstein für den Neubau war am 18. Juni 1871, dem Tag des allgemeinen Dank- und Friedensfestes nach dem deutsch französischen Krieg, gelegt worden. Diesem Tag verdankt die Kirche auch ihren Namen.

 

1873

Steele bildet einen eigenen Stadtkreis.

Umstellung der Währung von Taler auf Mark.

1874

Das Steeler Standesamt verzeichnet die erste Eintragung: die Eheschließung der Brautleute Friedrich Wilhelm Winterwerb und Karoline Katharina Kunze. In Preußen gilt ab 1. Oktober das Gesetz, nach dem Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle von Staats wegen und nicht nur in den Kirchenbüchern registriert werden müssen.

1875

Die 1871 bis 1874 anstelle eines spätromanischen Gebäudes aus dem 14. Jahrhundert erbaute katholische Pfarrkirche St. Laurentius kann wegen der Auswirkungen des Kulturkampfes erst am 20. Mai 1875 durch den Kölner Erzbischof Melchers geweiht werden. Die Gesamtkosten des Neubaues betragen 75.000 Taler. Das markante, neogotische, unmittelbar oberhalb der Steeler Altstadt gelegene Gebäude, dessen Vierungs-Oktogon von einem Dachreiter gekrönt wird, der fast die Höhe des Westturms erreicht, wird im Volksmund als „Steeler Dom“ bezeichnet.

 

Im Amt Königssteele werden 1.659 Einwohner gezählt.

Als erste evangelische Schule Steeles wird am 2. Dezember die Ruhrauschule eröffnet.

1876

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

Das Postdienstgebäude am Grendplatz wird 1875 von dem Bauunternehmer Ignatz Hengler gebaut und am 1 Januar 1876 mietweise von der Post bezogen. 1881 geht es in den Besitz der Deutschen Reichspost über. In das Telegrafennetz wird Steele am 1. Januar 1866 einbezogen. Am 10. Juli 1882 wird die „Allgemeine Stadtfernsprecheinrichtung“ in Steele in Betrieb genommen.

1877

An der Westfalenstraße wird das Gebäude der Rektoratsschule fertig gestellt. Von 1904 bis 1929 war es das letzte Rathaus der selbstständigen Stadt Steele. Heute ist dort das Kulturzentrum GREND beheimatet.

Elektrisches Licht wird eingeführt.

1879

Errichtung der Mariensäule auf dem Grendplatz. Früher stand dort ein Heiligenhäuschen.

Erste Sitzung im neuen Amtsgericht.

Eisenbahnverbindung Heißen - Rüttenscheid - Steele – Dahlhausen sowie nach Altendorf (Ruhr) mit dem Bahnhof Steele Süd.

1882

Der Verschönerungsverein für Steele und Umgegend wird gegründet. Aus ihm geht der spätere Steeler Verkehrsverein hervor. Auch die 1948 gegründete Steeler Bürgerschaft sieht sich in der Tradition dieser Vereine.

1883

Am 4. September weihen die 183 in Steele lebenden Juden am Isinger Tor eine Synagoge. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die jüdische Volksschule.

1885

Die märkischen Gemeinden bilden das Amt Königssteele im Landkreis Hattingen.

1886

Die Steeler Ruhrbrücke wird dem Verkehr übergeben und der bis dahin übliche Fährbetrieb eingestellt.

1887

Am 7. Juni wird für die Landgemeinden Horst und Eiberg in Horst die Pfarrkirche St. Joseph eingeweiht. Der weithin sichtbare Turm wird zum Wahrzeichen von Steele-Horst.

1889

Errichtung des evangelischen Krankenhauses „Lutherhaus“.

Großer Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet.

1890

Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18. November wird die Gliederung des Stadtgebietes in Sektionen aufgegeben und eine straßenweise Nummerierung eingeführt. In Steele gab es vor 1890 nur einzelne Straßennamen, die teilweise schon sehr alt waren, jedoch nicht der Nummerierung der Gebäude dienten.

Ende der Ruhrschifffahrt oberhalb von Mülheim.

Im November richtet ein Hochwasser, bei dem u. a. die Steeler Eisenbahnbrücke zerstört wird, schwere Schäden an.

1891

Einteilung der Stadt nach Straßen.

1892

Steele wird an das Telefonnetz angeschlossen.

1894

Das aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammende Gildenhaus, in dem bis zur Aufhebung der Gilden und Zünfte im Jahre 1828 die Zusammenkünfte der Gildegenossen stattfanden, wird niedergelegt, um den Bau der Humannstraße zu ermöglichen.

1895

Nach der Einwohnerzählung hat Steele 10.061 Einwohner. Das Amt Königssteele (mit Freisenbruch, Horst und Eiberg) hat 13.731 Einwohner.                                                                                             

1898 

Auf dem höchsten geographischen Punkt wird der Wasserturm errichtet.

   

Steele erhält Straßenbahnverbindungen nach Essen und Gelsenkirchen.

1900

Umwandlung der alten Rektoratsschule von einem Progymnasium in ein Vollgymnasium.

1901

Steele hat 12.427 Einwohner.

Die Schwimmbrücke in Horst wird fertig gestellt. Sie verbindet die Höfe in Altendorf und die Weiden von Schulte-Holtey mit Steele.

1902

In Steele findet eine vierzehntägige Wirte-, Fach- und Gewerbeausstellung im neuen Ausstellungsgebäude im „Thierpark“ statt.

1903

In Steele gibt es sechs Gasthöfe. Außerdem werden gezählt: 153 Pferde, 23 Rinder, 426 Schweine, 220 Ziegen, 2.029 Hühner und 1.233 Obstbäume.

Das Stadtvermögen beträgt 2 ¼ Millionen Mark; die Schulden belaufen sich auf 1 ¾ Millionen Mark.

1904

Die Rektoratsschule wird zum Rathaus umgebaut.

 

1905

Steele erhält eine Nebenstelle der Reichsbank.

Die Ruhrbrücke wird an den Unternehmer Hengler vermietet, der wie seine Vorgänger Brückengeld von allen Benutzern verlangt.

1906

Das Jahr zeichnet sich durch lebhaften Geschäftsgang in Handel und Industrie aus. Die Stadtsparkasse erreicht einen Einlagebestand von über 20 Millionen Mark.

1907

Die Scheidtmannsmühle wird durch einen Brand zerstört.

1908

Die Stadt Steele schließt mit dem RWE einen Stromlieferungsvertrag ab.

1910

In den ersten Februarwochen erhebt sich von den Steeler Ruhrwiesen das erste Essener Motorflugzeug. Es absolviert acht Flüge von 60 bis 100 Meter Länge in drei bis fünf Meter Höhe.

Die Gewerkschaft Johann-Deimelsberg kauft die Zeche Vereinigte Charlotte in Altendorf/Ruhr. Beschäftigt werden 1.172 Mann. Die Förderung wird auf 310.085 Tonnen erhöht.

1911

Stadtgarten und Restauration werden der Bevölkerung übergeben.

1912

Das Bahnhofsgebäude Steele West wird fertig gestellt.

1913

Das Lyzeum wird seiner Bestimmung übergeben.

1914

Die Zeche Eiberg wird stillgelegt.

1918

Am 10. November übernimmt ein Arbeiter- und Soldatenrat in Stärke von 24 Personen die vollziehende Gewalt und die Überwachung der städtischen Verwaltung.

1919

Aus wirtschaftlicher Not schließen sich die Gemeinden Eiberg, Horst, Freisenbruch und Königssteele zur Großgemeinde Königssteele zusammen.

1923

Bürgermeister Disch tritt sein Amt an.

Das Hochofenwerk Neu-Schottland wird stillgelegt. 1916/17 waren dort mehr als 4.000 Menschen beschäftigt.

Französische Truppen marschieren in Steele ein und errichten im „Hotel zur Post“ ihr Hauptquartier. Die Ruhrbrücke wird besetzt.

Die Inflation erreicht ihren Höhepunkt.

1925

Das Jugendheim an der Fürstinstraße kann seiner Bestimmung übergeben werden.

Am 1. August wird die Zeche Eintracht-Tiefbau stillgelegt, 800 Bergleute verlieren ihre Arbeit.

1926

Vereinigung von Steele mit dem westfälischen Königssteele zur Stadt Steele. Von Wattenscheid-Sevinghausen kommt das Haferfeld nach Steele. Im Gegenzug wird Obereiberg abgetrennt und kommt nach Wattenscheid. Die Bevölkerungszahl erhöht sich auf 32.214.

1927

Eine Stadtarztstelle wird errichtet und das Fürsorgehaus an der Buschstraße erbaut. Die Gesundheitsfürsorge wird dem Stadtarzt Dr. Wever übertragen.

Das Knappschaftskrankenhaus ist fertig gestellt.

1928

Aus Anlass des 350-jährigen Jubiläums der Verleihung des Wappens wird der Wappenbrunnen am Stadtgarten von dem Steeler Künstler Prof. Franz Guntermann gestaltet. Dargestellt sind zwei Knaben, einer als Page der Essener Fürstäbtissin mit Wappenschild und einer als Büchsenmacher mit Gewehr.

 

Die Zeche Johann-Deimelsberg wird stillgelegt. 800 Bergleute verlieren ihre Arbeit.

1929

Am 1. August wird Steele mit seinen etwa 40.000 Einwohnern nach Essen eingemeindet. Seitdem erfährt Steele das Schicksal eines vernachlässigten Vorortes mit wenig attraktiver Infrastruktur und begrenztem eigenem Gestaltungs- und Entwicklungspotential.

1930

Das Ehrenmal am Stadtgarten wird eingeweiht.

1931

Abbruch des Zöllnerhauses an der Ruhrbrücke, die Überquerung ist nun gebührenfrei.

1934

Ausgrabungen des Ruhrlandmuseums beginnen an der Vryburg in Horst.

An der Ruhr, unterhalb von Vryburg und Haus Horst, wird am 4. November von den Nationalsozialisten das „Ruhrkämpferehrenmal” für Gefallene der Freikorps, Einwohnerwehren, Reichswehr- und Polizeieinheiten, die 1918–1920 gegen die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet kämpften, eingeweiht. Damit versuchen die Nationalsozialisten, ihre Sichtweise der Revolutionszeit 1918–1920 propagandistisch durchzusetzen, also vor allem die Weimarer Republik, das Ergebnis der Novemberrevolution 1918–1920, herabzuwürdigen und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur 1933 als „Rettung Deutschlands” darzustellen.

1937

Die Zeche Wohlverwahrt in Horst fördert Kohle durch Abteufung neuer Schächte.

1938

Jahrtausendfeier Steeles vom 13. – 21. Mai.

Die Straßenbahnlinie Grendplatz - Hauptbahnhof wird stillgelegt.

In der Nacht zum 10. November wird die Steeler Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt und entweiht. Wenig später wird sie, ebenso wie das benachbarte Gebäude der jüdischen Volksschule, abgerissen. Heute erinnert eine Relieftafel am Haus Isinger Tor Nr. 4 an die Synagoge. Deren Grundrisse sind gut sichtbar mit Kopfsteinpflaster in den Straßenbelag des Parkplatzes am Isinger Tor eingelassen.

1939

Steele (mit Königssteele, Eiberg, Freisenbruch und Horst) hat 36.804 Einwohner.

1940

Die mehrjährigen Bauarbeiten für den Großbunker am Laurentiusberg für 3.000 Personen finden ihren Abschluss.

1941

Bei einem ersten Luftangriff wird das Postamt in Horst zerstört.

Luftangriffe auf Eiberg und Horst (2. Juni), Eligiushöhe und Knappschaftskrankenhaus (17. Juni), Schultenweg und Mecklenbeck (24. Juli).

1942

Im Frühjahr werden die meisten der noch in Essen lebenden Juden in das Barackenlager Holbeckshof, auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Deimelsberg, eingewiesen. Das Lager bildet den Ausgangs- und Sammelpunkt für mehrere Deportationen von Essener Juden, zumeist nach Izbica bei Lublin und Theresienstadt.

1943

Die Luftangriffe auf Steele mehren sich: Wolfskuhle, Steinhagen, Horst, Henglerplatz, Krimm und Knappschaftskrankenhaus.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai wird die Sperrmauer des Möhnetal-Stausees durch eine Fliegerbombe getroffen, am Mittag erreicht die Flutwelle Steele und überschwemmt Teile des Stadtgebietes.

1944

Eine Luftmine zerstört am 23. Oktober Teile Alt-Steeles.

1945

Die Ruhrbrücken werden am 8. April von deutschen Einheiten gesprengt. Die Amerikaner rücken am 9. April in Steele ein. Bei den anschließenden Kämpfen um die Ruhrhöhen wird der von deutschen jugendlichen Soldaten verteidigte Eiberger Hof Hinderfeld von amerikanischen Truppen erobert und für knapp vier Wochen bis zum Weiterzug besetzt.

1946

Es gibt große Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung. Im Oktober finden die ersten Gemeindewahlen statt.

Steele (mit Königssteele, Eiberg, Freisenbruch, Horst) hat 41.652 Einwohner.

1948

Nach der Währungsumstellung am 20. Juni gibt es über Nacht volle Schaufenster.

Erhard Raubuch gründet den Steeler Kinderchor.

Am 17. März wird die Steeler Bürgerschaft e. V. gegründet, die die Tradition des 1882 gegründeten Verschönerungsvereins für Steele und Umgebung und des 1936 aufgelösten Bürger- und Verkehrsvereins fortsetzt.

1949

Der Kaiser-Otto-Platz wird zentraler Verkehrsplatz.



1950

Mit amerikanischen Hilfsmitteln kann in Höhe des Äbtissinnensteigs das erste größere Wohnprojekt (152 Wohnungen) durch die Allbau AG begonnen werden.

Steele hat 45.219 Einwohner, nach der Abtrennung von Freisenbruch und Horst 27.674 Einwohner.

1951

Die Steeler Bürgerschaft, die Vereine und der Einzelhandel beweisen in einer großangelegten Heimatwoche, wie sehr in diesem Stadtteil Initiative und Gestaltungskraft vorhanden sind.

 1953

Der Neubau der Steeler Sparkasse am Kaiser-Otto-Platz wird bezogen.

1954

Am 19. Juni feiert Steele mit der Einweihung und der Übergabe der neuen Ruhrbrücke durch den Essener Oberbürgermeister Dr. H. Toussaint ein Brückenfest.

Für die Ruhr wird ein totales Badeverbot ausgesprochen.

1955

Wegen großer Verkehrsschwierigkeiten muss auf die Kirmes verzichtet werden.

Die Straßenbahnverbindung Steele - Rellinghausen wird eingestellt.

1956

1.000 Steeler Haushalte haben Fernsehgeräte.

1957

In der neuen Zionskirche in Horst findet der erste Gottesdienst statt.

Am 11. November erteilt der Essener Oberstadtdirektor Wolff Weisung zur Aufstellung eines Sanierungsplans für die Steeler Innenstadt. Daraus ergibt sich in den 1960er und 1970er Jahren einer der größten Sanierungsfälle der westdeutschen Nachkriegsgeschichte, der zu tiefgreifenden städtebaulichen Veränderungen führt. Dabei werden sowohl ganze Straßenzüge mit Fachwerkhäusern geopfert, als auch weite Bereiche mit mehr oder weniger intakter gründerzeitlicher Bebauung zerstört, aber auch neue Einrichtungen wie Verkehrsplatz, Citycenter, Fußgängerzone und Marktplatz geschaffen.

1958

Vom 20. bis 22. September feiert Steele den Bergmannstag als großes Bürgerfest mit einem Festumzug und vielen anderen Aktionen. Veranstalter ist die Steeler Bürgerschaft.

1959

Übergabe der Dinnendahl-Schule.

 

1960

Die entlastenden Verkehrsplanungen für die Innenstadt werden mit Hochdruck betrieben. Die Baufirma Kufus kauft die Wohnhäuser in dem Wohnkomplex Humannstraße - Kaiser-Otto-Platz - Scheidtmannstor auf und veräußert die Grundstücke 1965 an den Hertie-Konzern, der hier das Wertheim-Kaufhaus errichtet.

Am 15. Mai wird der Grundstein der St. Eligiuskirche am Laurentiusweg gelegt.

1961

Im Osten von Freisenbruch entsteht ein neues Wohnviertel. Der Rat beschließt den Bau der Oststadt.

Am 25. Oktober erfolgt der Ratsbeschluss zur Aufstellung von Bebauungsplänen zur Stadtsanierung von Steele.

Steele hat 25.051 Einwohner.

1962

Der Rat der Stadt Essen genehmigt einen Sanierungsplan für die Siedlung Wolfskuhle.

Auf der Zeche Wohlverwahrt in Steele-Horst fahren am 20. März die letzten (etwa 100) Bergleute ein. Am 30. September wird das kleine Bergwerk stillgelegt.

1963

Der Rat der Stadt Essen erlässt eine Veränderungssperre für den Ortskern von Steele.

1969

Der Bebauungsplan Steele-Altstadt Nr. 20/68 tritt am 8. November in Kraft.

 

 

1970

Steele hat 20.334 Einwohner.

1971

Die im Rahmen der Stadtsanierung verlegte Glashütte Wisthoff beginnt am 3. Juni mit der Produktion in der Ruhrau.

1972

Am 6. Juni wird das Kaufhaus Wertheim eröffnet.

1973

Die Bundesbahn gibt bekannt, dass sie die Bahnstrecke Steele Süd – Rellinghausen aufgeben wird.

1976

Die Parkhäuser Wertheim, Isinger Tor und Ost werden übergeben.

1977

Die neue Südtangente zwischen Krahwinkel- und Bochumer Straße wird freigegeben, der Marktplatz (Dreiringplatz) fertig gestellt.

1978

Der Bahnhof Steele, der Verkehrsplatz, die Bundesbahnbrücke und die neue Nordtangente werden dem Verkehr übergeben.

Zum 400-jährigen Jubiläum des Stadtwappens feiert Steele das Wappenfest.

1979

Im alten Sparkassengebäude in der Dreiringstraße wird ein Kulturforum mit der Möglichkeit der Teilnahme an Volkshochschul-Kursen eingerichtet.

Die Neubauten der Polizei und Feuerwehr werden fertig gestellt.

Eröffnung des City-Centers.

  

Das Kaufhaus Wertheim schließt am 28. Februar.

1982

Der Ausbau der Tangentialstraßen ist abgeschlossen.

Die neue Schwimmbrücke Steele-Horst/Burgaltendorf wird eingeweiht.

1985

Am 3. September eröffnen das Globus-Center und die Kfz-Zulassungsstelle im ehemaligen Wertheim-Gebäude.

1987

Der verfüllte Förderschacht der Zeche Eintracht-Tiefbau stürzt in sich zusammen. 20.000 Tonnen Verfüllmasse werden angefahren, um den Schacht wieder zu schließen.

Steele hat 18.590 Einwohner.

1988

1050-Jahr-Feier Steeles vom 12. - 23 Mai.

Am 2. Juli erfolgt die Eröffnung der Kaiser-Otto-Residenz.

1993

Am 30. September schließen die Vereinigten Schraubenwerke/VSW in Horst, 137 Jahre nach Gründung des Berg- und Hüttenvereins Neu-Schottland.

1996

Das Hospiz am Steeler Luther-Krankenhaus wird als eines der ersten in Nordrhein-Westfalen in Gegenwart von Ministerpräsident Johannes Rau eröffnet.

1997

Auf Initiative des Kaufmanns Leon Finger wird am 6. Februar im Steeler Stadtgarten der Initiativkreis City-Steele e. V. (ICS) gegründet. Zweck des Vereins ist die Organisation, Koordination und Förderung von Veranstaltungen im Innenbereich von Steele, die dem Interesse und der Pflege des Mittelzentrums Steele dienen, sowie durch geeignete Marketingmaßnahmen zur Attraktivitätserhöhung Steeles beitragen.

1999

Das 1954 erbaute Altenkrankenheim an der Augener Straße wird abgerissen.

Im Juli lockt das Spektakel „Ruhr in Flammen” ca. 265.000 Besucher nach Steele.

2003

Am 22. Juni findet in Steele der erste ökumenische Bikergottesdienst unter freiem Himmel auf dem Dreiringplatz statt. 

2006

Nach Vorarbeiten von Arnd Hepprich, Hans-Walter Konrad und Jürgen Schönwolf wird am 22. April das Steeler Archiv e. V. gegründet. Der 1. Vorsitzende wird Lothar Lück, sein Stellvertreter Hermann Ruhrbruch, der ab 22. Februar 2007 das Amt als erster Vorsitzender übernimmt. Der Verein hat das Ziel, die Geschichte von Steele aus alter und neuer Zeit zu dokumentieren. Das Sammeln, Ordnen und Aufbereiten der Archivalien ist die Grundlage, um sich öffentlich mit der Geschichte von Steele zu beschäftigen sowie durch die vorhandenen und künftig zu erwerbende Sammlungen eine historisch populärwissenschaftliche Arbeit zu ermöglichen.

2007

Am 30. September hat Steele 17.187 Einwohner, Freisenbruch hat 16.812 Einwohner, und Horst hat 10.493 Einwohner.

2008

Das 1972 in Betrieb genommene Lutherhaus am Hellweg erhält den neuen Namen "Alfried-Krupp-Krankenhaus". Der Zusammenschluss des Hauses mit dem gleichnamigen Krankenhaus in Essen-Rüttenscheid hatte schon ein Jahr zuvor stattgefunden.

2009

Im Januar wird das Bonhoeffer-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Freisenbruch-Horst-Eiberg durch ein Feuer vollkommen zerstört. 

Knapp 50 Jahre nach dem ersten Spatenstich wird die Kirche St. Eligius, einst gebaut vom Architekten Bernhard Rotterdam, im März abgerissen. Ein großer Teil des Inventars wird der Polnischen St. Adalbertus-Gemeinde in Kolberg an der Ostsee übergeben.

2010

Das gesamte Ruhrgebiet trägt in diesem Jahr den Titel "Kulturhauptstadt Europas". Vor Ort hat die Arbeitsgemeinschaft Steele.2010 zusammen mit den unterschiedlichsten Kulturträgern ein Programm zusammengestellt, dessen Höhepunkt "Kein Wasser runter schütten" ist, die künstlerische Bespielung des Center Carrées. Bildende Künstler aus Steele und Umgebung engagieren sich mit kreativ gestalteten Kultur-Kuxen (Der Kux = Begriff aus dem Bergbau = Anteilsschein) für das Projekt und werden in mehreren Matineen das ganze Jahr über präsentiert.

Nach fast zwei Jahren Umbauzeit wird im September der Steeler Verkehrsplatz modernisiert in Betrieb genommen.

Im Oktober sehen über 2000 Besucher die Ausstellung des Steeler Archivs "Von der Stadtmauer bis zur Stadtsanierung - 200 Jahre Steeler Baugeschichte".

2011

In der Eiberg-Schule (Hauptschule am Sachsenring) findet im Juli die letzte Unterrichtsstunde statt. Die Schule wird geschlossen, das Schulgebäude bleibt und wird zum "Weiterbildungskolleg der Stadt Essen - Abendrealschule Eiberg".

Auch die Ruhrauschule am Hünninghausenweg wird geschlossen. Das anno 1914 errichtete Haus soll zu einer Kindertages-stätte umgebaut werden.

Das Steeler Archiv findet in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Ruhrauschule eine neue Bleibe.


Ausgewählte Literatur zur Geschichte von Steele 

H. Mohaupt, Kleine Geschichte Essens: von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3. Aufl., Klartext Verlag, Essen 2002.

1050 JAHRE STEELE. Beiträge zur Heimatgeschichte (Hrsg.: Arbeitskreis Steeler Geschichte an der Volkshochschule Essen in Zusammenarbeit mit Kulturkreis Steele e.V. und Steeler Bürgerschaft e.V.), Peter Pomp, Essen 1988.

T. Schanetzky, Endstation Größenwahn. Die Geschichte der Stadtsanierung in Essen-Steele, Klartext Verlag , Essen 1998.

M. Hensing, STEELE...unvergessen. Die Essener Oststadt in historischen Ansichten (Hrsg.: N. Beleke), 2. Aufl., NOBEL-Verlag GmbH, Essen 2006.

E. Schmidt und M. Zimmermann, Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, 3. Aufl., Klartext-Verlag, Essen 2002.

T. Parent, Das Ruhrgebiet. Kultur und Geschichte im "Revier" zwischen Ruhr und Lippe, 4. Aufl., DuMont Buchverlag, Köln 1989.

C. Voigt und R. Wiesemann, Schatzsucher, Industriebarone, Nonnen und Erfinder. Die ersten 160 Jahre der Villa Vogelsang in Essen/Horst, Nobel-Verlag GmbH, ohne Ortsangabe 2001.

G. A. Wüstenfeld, Die Ruhrschiffahrt von 1780 bis 1890. Monographie zur Geschichte des Ruhrgebiets: Schrift 2, Gustav Adolf Wüstenfeld-Verlag, Wetter/Wengen 1978/1993.

F. van der Kemp, Achtung Achtung! Ende Ende! Geschichte einer Kindheit und Jugend in dunkler Zeit 1932 - 1951, Selbstverlag Franz van der Kemp, 45731 Waltrop 2003.

K. Hansmann, Sehnsucht zwischen Fernweh & Heimweh. 25 Ex-Bürger berichten. Steeler Profile, Books on Demand GmbH, 22848 Norderstedt 2007.